Kopftext
Bücher schreiben zu können, empfinde ich als Privileg. Doch Schreiben ist ein sehr einsamer Vorgang. Ein Buch zu machen, ist ein Projekt, für das man viel Lebenszeit investiert. Womit beschäftige ich mich in dieser Zeit? Was will ich mit dem Buch? Was geschieht auf den Strecken? Aus meiner Sicht auf diese Fragen ohne systematische Zwänge zu antworten, ist das Anliegen dieser Rubrik.

 

 

Berlin-Buch Einleitung

Die Marktzeit für mein Berlinbuch ist nun wohl bereits vorbei - Nachzüge nicht ausgeschlossen. Als Autor kann ich zufrieden sein. Natürlich rangiere ich nicht auf den Bestsellerlisten. Aber irgendwie habe ich doch beachtlich viele Leserinnen und Leser gefunden. Vor allem habe ich überraschend viel Feedback erhalten.

Auf Lesungen und in manchen Korrespondenzen war das Interesse groß. Es bezog sich vor allem um Einschätzungen, mit denen ich mich in der Einleitung des Buches auf essayistische Weise auseinander gesetzt habe: Woher kommt das gegenwärtige Berlin und in welche Richtung entwickelt es sich. Da scheiden sich die eher nostalgisch veranlagten Geister von den neuen Optimisten.

Es macht deshalb Sinn, dass ich die Einleitung hier veröffentliche. Manche Sätze würde ich schon heute anders schreiben - so schnell sind die Entwicklungen der Stadt. Aber der Versuch war seine Mühe wert, mit literarischen Mitteln ein Geflecht von Informationen und Gefühlen so zu strukturieren, dass Anstöße für das Nachdenken gegeben werden.

Hier also der Text zum Downlaod (pdf)

 

Rezension von Theo Körner

Die Rezension von Theo Körner über mein Berlinbuch erschien im Oktober 2014 in den Revierpassagen:

Langjähriger Dortmunder Journalistik-Professor Ulrich Pätzold legt Berlin-Buch vor

30 Jahre war Ulrich Pätzold ordentlicher Professor für Journalistik in Dortmund. Als er 1978 in die Westfalenmetropole berufen wurde, um den seinerzeit neuen Studiengang mit aufzubauen, kam er aus Berlin, damals noch eine geteilte Stadt. Nach seiner Emeritierung kehrte er zurück an die Spree und legt jetzt ein Buch vor, mit dem er den Leser einlädt, ihn auf seinen Spaziergängen durch die Hauptstadt zu begleiten.

Gern abseits der Touristenpfade macht er sich auf den Weg durch die Stadtbezirke und erzählt Episoden und Geschichten aus der wechselvollen Vergangenheit „seiner” Stadt. 15 Jahre hat er hier gelebt, zunächst studiert (Publizistik, Philosophie, Theaterwissenschaften, Musik- und Literaturwissenschaften), noch während des Studiums mit journalistischer Tätigkeit für RIAS Berlin und viele andere Medien begonnen.

Der Autor kennt nicht nur die Namen von unzähligen Straßen, Plätzen, Gebäuden und Parks, er weiß auch, was sich dort vor Zeiten abgespielt hat und verknüpft das Früher mit dem Heute. So betrachtet er den BER, also den Berliner Flughafen, weniger als ein Objekt, das inzwischen schon zum Gespött verkommen ist, als vielmehr als ein Projekt, das vor allem die Bürger aus dem Stadtteil Friedrichshagen auf den Plan gerufen hat. Dass sie genau in einer der Einflugschneisen wohnen, ist ein sehr konkreter Erklärungsansatz für die andauernde Gegenwehr. Eine andere Begründung hat eher historische Wurzeln und atmosphärische Elemente. Hier war nämlich Ende des 19. Jahrhunderts die neue Kunstrichtung der Naturalisten zuhause.

Nicht minder geschichtsträchtig kommt Friedenau daher, es hat sogar den Anschein, als habe man es mit einem Kristallisationspunkt der Vergangenheit Berlins zu tun. NS-Reichspropagandaminister Goebbels wohnte hier und schrieb seine berüchtigte Rede, in der er zum „Totalen Krieg“ aufrief, ebenso der Gründer der Comedian Harmonists, die sich wegen der Verfolgung durch die Nazis auflösten. Mit August Bebel, Karl Kautsky und Karl Liebknecht hatten die führenden Vertreter der Sozialdemokratie hier ebenso ihre Wohnungen wie Rosa Luxemburg. Ulrich Pätzold erzählt von deren (Zusammen-)Leben, ihren Idealen und auch ihren internen Konflikten.

Die Großstadt lebt mit und von ihren Widersprüchen, lässt sich aus Ulrich Pätzolds Beschreibungen herauslesen. Zu den vielen Beispielen gehört der Kiez. Er ist Rückzugsgebiet ins Private, ohne ihn wäre eine Stadt von Welt wie Berlin aber nicht Berlin. Dabei ist jeder Kiez anders, das einigende Band besteht wohl darin, dass man hier das eigene Tempo drosselt.

Der Schnelllebigkeit der Zeit, durch die manches dunkle Kapitel in Vergessenheit zu geraten droht, setzt der Autor die Erinnerung an Opfer und Täter entgegen. Dass es vor allem die Jahre des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges sind, auf die der Journalist immer wieder zu sprechen kommt, verwundert deshalb nicht, weil die Nazis überall in der Stadt blutige Spuren hinterlassen haben. Allein aus Berlin wurden 55.000 Juden verschleppt und ermordet.

Selbst in Kapiteln, in denen man den schrecklichen Schatten der Nazis kaum vermuten würde, sind sie allgegenwärtig. So erzählt Pätzold die bizarre Geschichte der Brüder Sass, Einbrecherkönige in der Weimarer Zeit mit viel Sympathie in der Bevölkerung, die die Polizei zum Narren hielten und im Konzentrationslager Sachsenhausen von Rudolf Höss, dem späteren KZ-Kommandanten von Ausschwitz, erschossen wurden. Widerstand gegen das NS-Regime hat es übrigens, wie der Autor beschreibt, vielfach auch bei den „einfachen Leuten“ gegeben, wie er es am Beispiel eines Bürstenfabrikanten und einer Prostituierten beschreibt.

Wenn im Berlin von heute viele Ethnien nebeneinander leben, sieht der Autor darin eine große Chance für diese Stadt, die mit der Kongresshalle für die Kulturen der Welt ohnehin schon einen sichtbaren Ausdruck der Völkerverständigung geschaffen habe. Mit aller Vehemenz wehrt er sich gegen die Thesen eines Thilo Sarrazin, wobei sehr deutlich wird, dass es Pätzold nicht nur um den einstigen Berliner Finanzsenator geht, sondern um alle, die – auf welche Weise auch immer – Fremdenhass schüren. Den unterschiedlichen Nationalitäten ist ein Tag zu verdanken, der für Berlin verblüfft. Einmal im Jahr feiert man nämlich auch hier Karneval, einen Karneval der Kulturen.

Von Feierlaune sind die Menschen weit entfernt, die an der Lehrter Straße, dem Sitz der Stadtmission, Zuflucht suchen. Obdachlose kommen hierher, 4000 von ihnen leben irgendwo in dieser Stadt und gehören auch zu ihrem Bild dazu.

Um die Vielfalt von Berlin darzustellen, können und dürfen die Kultur und die Architektur ebenso wenig fehlen wie die Erinnerung an die Mauer. Dass die Museen mehr als nur die Nofretete zu bieten haben und Berlin auch trotz des verheerenden Krieges reich ist an imposanten Gebäuden, zeigt Pätzold an zahlreichen Beispielen auf. Welche irrwitzige Folgen die Teilung Berlins haben konnte, führt der Autor anhand des “Hamburger Bahnhofs” vor, der nur wenige Jahre ein Bahnhof gewesen ist.

In einer großen Stadt darf man sich nicht treiben lassen. Sie prägt Menschen, wie Menschen sie prägen. Dem Spiel dieser Gegenseitigkeit gehen die vierzehn Geschichten auf die Spur, in denen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Einheit des Lebens in der Stadt verknüpft sind. Erzählt wird mit dem staunenden Blick auf die Geschichte hinter den Geschichten. So ist das Buch wie eine Liebeserklärung zwischen einem Menschen und seiner Stadt.
Der Autor Ulrich Pätzold war 30 Jahre lang Journalistikprofessor in Dortmund, bevor er 2008 zurück nach Berlin zog. Reportagen und Essays – die großen Formen des Flanierens – gehören zum Journalismus. Die Grenzen zum Literarischen sind fließend. Die „Distanz zu Dingen und Personen“ bleibt, ausgeleuchtet mit dem warmen Licht des Erzählens.

Berlin – Geschichte in Geschichten

So sieht das Cover meines neuen Buches „Berlin – Geschichte in Geschichten“ aus:

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Meine Tochter Katharina hat es mit ihrer Firma kpjm gestaltet. Und so zum Beispiel sieht eine Bildseite aus:

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Und so ist das Inhaltsverzeichnis für die 14 Geschichten angelegt:

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Das Buch ist nicht nur zum Lesen geschaffen. Es ist auch ein Hingucker. Es erscheint ab dem 25. August 2014 im Kladdebuchverlag, ein Startup-Verlag, der neue Wege zwischen dem Internet und unabhängigen Buchhandlungen eingeschlagen hat. Und auch auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst wird es präsentiert.

 

Meine „Literaturagentin“ ist Barbara Stang. Wer kennt sie nicht in Berlin, diese gebildete und kommunikative Frau, die Literatur als Bühne versteht, auf der Autoren, Gestalter, Verlage und Publikum gemeinsame Akteure sind. Das Buch ist denn auch das Ergebnis eines solchen Forums. Ich habe zwar die 14 Geschichten geschrieben, aber es ist längst nicht mehr nur mein Buch.

 

Der Kladdebuchverlag hat künftige Leserinnen und Leser durch ein Crowdfunding

An der üppigen und edlen Herstellung des Buches beteiligt. Das Publikum sitzt von Anfang an mit im Boot und bestimmt die ästhetische Qualität des Buches. Über 4.300 Euro sind als Subskription im Crowdfunding während der 52 Tage dauernden Ausschreibungszeit auf der Internetplattform Visionbakerey zusammen gekommen.

 

Die Subskription wird fortgesetzt. Hier das Sammelkonto des Kladdeverlags mit dem Stichwort „gig“ und der IBAN: DE98430609677909510101

 

Um erste Leseeindrücke zu erhalten, schauen Sie doch mal in diesem Blog unter „Skripte“ und dort in das Menu „Reportagen und literarische Texte“ oder klicken Sie hier.

 

Achtundsechzig – Notizen im Alter

Schon lange beschäftige ich mich mit der Frage, wie die 68er Jahre des vorigen Jahrhunderts, in denen ich studiert und wesentliche berufliche Prägungen erhalten habe, mein Leben beeinflusst. Einstellungen, Wahrnehmungen, Ausdrucksweisen, Gedanken und Gefühle sind auch heute noch eingebettet in die soziale und kommunikative Dynamik, die um 1968 aufgebrochen war. Das bedeutete nicht, die theoretischen Wege weiter zu gehen, die damals beschritten wurden. Heute sehe ich die Welt ganz anders als damals. Aber es ist reizvoll, die Spiegelungen zu entdecken, die es zwischen dem symbolischen 1968 und heute gibt.

Für mein 68. Lebensjahr hatte ich mir vorgenommen, aus diesen Spiegelungen nach aktuellen Ereignissen und Erinnerungen und Gefühlen zu suchen und sie in kurzen Texten zusammen zu fassen. Das habe ich mit journalistischer Gewissenhaftigkeit ein Jahr lang getan. Auf diese Weise entstanden Aufzeichnungen aus den Jahren 2011 und 2012. Eine Auswahl von ihnen veröffentliche ich nun in meinem Buch Achtundsechzig - Notizen im Alter

Das Buch wird nicht nur diejenigen interessieren, die in der gleichen Zeitspanne alt geworden sind wie ich selber. Es ist auch ein Dokument für jüngere Menschen. Denn sie werden entdecken, dass die Sicht auf bestimmte Themen, ja schon die Auswahl, was denn als das „Neue vom Tage“ wichtig erscheint, eng verbunden mit der Biografie eines Menschen ist. Diese Biografie ist weniger wichtig in ihren engeren privaten Ereignisabläufen. Sie ist viel spannender, wenn aus ihr deutlich wird, wie eine Epoche, ein Abschnitt in der Zeitgeschichte das Leben mit seinen Ansichten und Einsichten prägt. Deshalb bin ich selbstbewusst überzeugt, ein Buch geschrieben zu haben, das in die Öffentlichkeit gehört.

"8und60 – Notizen im Alter" ist nun auf dem Markt. Es umfasst 360 Seiten und ist im epubli-Verlag der Holtzbrinck-Gruppe als herkömmliche Buchfassung und als e-book erschienen. In der Buchfassung kostet es 19,90 €, als eBook 14,99 €. In den Buchhandlungen ist es am leichtesten über die ISBN-Nummer zu bestellen. Die lautet 978-3-8442-2699-7

Man kann aber auch gut online bestellen. Der eine Weg führt in das unvermeidliche Amazon. Der andere Weg führt direkt in den Verlagsshop zum Buch:

http://www.epubli.de/shop/autor/Ulrich-P%C3%A4tzold/5368

 

 

Berlinbuch - Einleitung

Die Marktzeit für mein Berlinbuch ist nun wohl bereits vorbei - Nachzüge nicht ausgeschlossen. Als Autor kann ich zufrieden sein. Natürlich rangiere ich nicht auf den Bestsellerlisten. Aber irgendwie habe ich doch beachtlich viele Leserinnen und Leser gefunden. Vor allem habe ich überraschend viel Feedback erhalten.

Auf Lesungen und in manchen Korrespondenzen war das Interesse groß. Es bezog sich vor allem um Einschätzungen, mit denen ich mich in der Einleitung des Buches auf essayistische Weise auseinander gesetzt habe: Woher kommt das gegenwärtige Berlin und in welche Richtung entwickelt es sich. Da scheiden sich die eher nostalgisch veranlagten Geister von den neuen Optimisten.

Es macht deshalb Sinn, dass ich die Einleitung hier veröffentliche. Manche Sätze würde ich schon heute anders schreiben - so schnell sind die Entwicklungen der Stadt. Aber der Versuch war seine Mühe wert, mit literarischen Mitteln ein Geflecht von Informationen und Gefühlen so zu strukturieren, dass Anstöße für das Nachdenken gegeben werden.

Hier also der Text: