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Dieses Mal verrennt sich die Meute - Marc Jan Eumann gehört nicht in die Schusslinie

Jagdfieber beschädigt guten Journalismus

 

 

 

 

 

Plagiatsverdacht gegen SPD-Medienpolitiker Eumann

NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann steht unter Plagiatsverdacht. Der SPD-Politiker soll in seiner Doktorarbeit aus seiner 20 Jahre zuvor verfassten Magisterarbeit plagiiert haben. Eumann bestätigte der Nachrichtenagentur dapd ein entsprechendes Prüfungsverfahren an der Technischen Universität Dortmund. Zuvor hatte die WAZ-Mediengruppe über den Fall berichtet.

Düsseldorf/Dortmund (dapd-nrw). NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann steht unter Plagiatsverdacht. Der SPD-Politiker soll in seiner Doktorarbeit aus seiner 20 Jahre zuvor verfassten Magisterarbeit plagiiert haben. Eumann bestätigte der Nachrichtenagentur dapd ein entsprechendes Prüfungsverfahren an der Technischen Universität Dortmund. Zuvor hatte die WAZ-Mediengruppe über den Fall berichtet. Der Vorwurf lautet "Selbstplagiat".

Ins Rollen gebracht hat das Verfahren der Medienwissenschaftler Arnulf Kutsch mit einer kritischen Rezension über Eumanns Doktorarbeit aus dem Jahr 2011. Laut WAZ kommt der Professor darin zu dem Urteil, dass der Sozialdemokrat vor allem seine eigene Magisterarbeit von 1991 aufgepeppt hat, ohne dies im Text der Doktorarbeit deutlich zu machen oder seine eigene Arbeit zu zitieren. Eumann habe seine alte Arbeit weder konzeptionell, noch methodisch oder inhaltlich-substanziell erweitert. Kutsch bemängele zudem eine mangelhafte Quellenarbeit.

Nach Angaben von Eumann hat dessen Doktorvater Horst Pöttker die Vorwürfe zum Anlass genommen, die Arbeit durch die hochschulinterne Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis überprüfen zu lassen. Die Doktorarbeit trägt den Titel "Der Deutsche Presse-Dienst" und beleuchtet die gleichnamige Nachrichtenagentur in der britischen Besatzungszone zwischen 1945 und 1949.

Dem Verfahren an der TU Dortmund sieht Eumann gelassen entgegen. Die Überprüfung sei auch in seinem Interesse und er habe "keinen Zweifel", dass die Arbeit "unter vielerlei Gesichtspunkten eine inhaltlich-substantielle Erweiterung" seiner unveröffentlichten Magisterarbeit darstelle, teilte der SPD-Politiker auf Anfrage mit. "Dies festzustellen ist jetzt Sache der Kommission." Als Vorsitzender der SPD-Medienkommission ist Eumann auch auf Bundesebene für Medienfragen zuständig.

NRW-Fördergelder für den Doktorvater

Zusätzliche Brisanz erhält der Fall durch eine angebliche Verbindung zwischen Eumanns Doktorvater und der Landesregierung. Laut WAZ beantragte der Dortmunder Professor nur wenige Monate nach der Verleihung der Doktorwürde an den Staatssekretär bei der Düsseldorfer Staatskanzlei eine finanzielle Förderung. Dabei soll es um die wissenschaftlichen Vorarbeiten zur Gründung einer NRW-Medienstiftung gehen - ein Projekt von Eumann. Pöttker erhielt angeblich mehr als 210.000 Euro.

Der WAZ sagte der Professor, die Förderung habe nichts mit der Doktorarbeit von Eumann zu tun. Auch der Staatssekretär bestreitet eine Verbindung. An der Förderentscheidung zugunsten des Dortmunder Instituts für Journalistik sei er in keiner Weise beteiligt gewesen, sagte Eumann auf Anfrage. Stattdessen habe er auf eine mögliche Interessenkollision hingewiesen und sich befangen erklärt.

Plagiatsvorwürfe gegen Politiker gibt es immer wieder. Am bekanntesten ist der Fall des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Die Universität Bayreuth entzog dem CSU-Politiker im Februar 2011 den Doktortitel und kurz darauf trat er wegen der zu großen Teilen abgeschriebenen Arbeit vom Ministeramt zurück. Aktuell muss sich auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) gegen Plagiatsvorwürfe behaupten.

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Dieses Mal verrennt sich die Meute

- Marc Jan Eumann gehört nicht in die Schusslinie -

 

Der NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann wird verdächtigt, eine Dissertation im Wesentlichen durch ein Plagiat erstellt zu haben. Er wird jetzt in eine Reihe mit Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan gerückt. Wer des Plagiats überführt werden kann, verliert den Status, Mitglied der scientific community zu sein. Für Politiker bedeutet dieser Verlust in der Regel auch die Verbannung aus den Zirkeln der professionellen Politik. Wegen der schwerwiegenden Folgen müssen Plagiatsvorwürfe in der Methode und im Ergebnis eindeutig sein. Die Steilvorlage für den Plagiatsvorwurf hat Arnulf Kutsch geschrieben, Medienhistoriker und Universitätsprofessor. Wer die journalistische Meute auf die Spur gebracht hat, ist einstweilen noch unbekannt.

 

Plagiat ist ein definierbarer Tatbestand. In der römischen Urgeschichte war ein „Plagium“ ein Menschenraub. Entscheidend für Plagiate ist, wie man in der Wikipedia lesen kann, die Übernahme fremden Gedankengutes, fremder wissenschaftlicher Leistungen, ohne diese kenntlich zu machen. Paul Englisch unterstellt im Plagiat die Absicht, mit dem geistigen Diebstahl „Zwangsanleihen nach ihrer Herkunft durch entsprechende Umgestaltung zu verwischen und den Anschein eigenen Schaffens damit beim Leser oder Beschauer zu erwecken.”  Fremdes wird also als Eigenes ausgewiesen. Das ist ein Plagiat. Die im Falle Marc Jan Eumann geborene journalistische Wortschöpfung „Selbstplagiat“ ist also im Sinne der Bedeutung des Begriffs Plagiat absurd. Wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen zeichnen sich im hohen Maße durch Kontinuitäten im Denken, Texten und Veröffentlichen aus. Sich selber zu „plagiieren“ ist also alltäglich und normal.

 

Der Plagiatvorwurf gegen Marc Jan Eumann lautet verkürzt: Er hat in seiner Dissertation unterschlagen, dass er sich über weite Strecken und in relevanten Umfängen seiner eigenen Magisterarbeit bedient, die er ungefähr 20 Jahre vor der Abgabe seiner Dissertation als unveröffentlichte Prüfungsarbeit eingereicht hatte. Thema beider Arbeiten ist der "Der Deutsche Presse-Dienst". Es geht um die Nachrichtenagentur in der britischen Besatzungszone zwischen 1945 und 1949, die bisher kaum Gegenstand der Wissenschaft gewesen war. In der Dissertation wird u.a. ihr Anteil am Entstehen der Deutschen Presseagentur (dpa) nachgewiesen, was für die deutsche Pressegeschichte ein Erkenntnisgewinn ist.

 

An der Entstehung der Dissertation war ich nicht unwesentlich beteiligt. Ich wusste, dass Marc Jan Eumann bereits in der Magisterarbeit über dieses Thema geforscht hatte. Ich wusste, dass er nunmehr die Chance hatte, in britischen Archiven Dokumente im Zusammenhang dieses Themas zu recherchieren, die bis dahin nicht frei gegeben waren. Mir war klar, dass die Zeit auslief, letzte noch lebende Zeitzeugen zu dieser spannenden Nachkriegsgeschichte zu befragen. Ich habe ihn geradezu gedrängt, unter diesen Voraussetzungen mit diesem Thema zu promovieren und eine Lücke in der Geschichtsschreibung zu schließen. Diese Entstehungsgeschichte ist vollständig offen und eindeutig im Vorwort der Dissertation dargestellt worden. Es war für uns Gutachter unstrittig, dass sich Marc Euman seiner Magisterarbeit bedienen konnte, soweit das für eine öffentliche wissenschaftliche Dissertation sinnvoll ist.

 

Wer nun meint, Marc Jan Eumann habe seine frühere Magisterarbeit als Dissertation eingereicht, irrt gewaltig. Schon die Durchsicht des Literaturverzeichnisses zeigt, dass erhebliche Teile des „wissenschaftlichen Apparats“ aus Zeiten nach der Magisterarbeit stammen. Wer die Abschnitte der Dissertation liest, wird zu dem Ergebnis kommen müssen, dass der Autor das Thema aus dem Erkenntnisstand der Gegenwart und nicht der Vergangenheit behandelt. Quellenstudien und wesentliche Teile der empirischen Methode sind originäre Ergebnisse aus der Dissertationsphase und konnten nicht aus der Magisterarbeit übernommen werden. Entscheidend bleibt, dass die Dissertation eine Arbeit des Autors Marc Jan Eumann ist, sein Gedankengut und seine Arbeitsergebnisse zu dem Thema zusammenfasst und in der Belegung von Quellen anderer Autoren so sorgfältig ist, wie es dem Standard in der Wissenschaft entspricht. Da man kein Dieb von sich selbst sein kann, läuft der Vorwurf des Plagiats ins Leere.

 

 

 

 

 

 

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