Kopftext

Leo Kreuzer und Ulrich Pätzold

 

 

LK zu meinem Buch 8 und 60: ....und, habe ich gedacht, schon wieder jemand, dem es gelungen ist, so etwas zu machen, ohne eine 'Autobiographie' zu schreiben. Denn ich hatte gerade Krippendorffs

'Lebensfäden' gelesen, neiderfüllt wegen Ekkehards Idee, den 'Lauf' seines Lebens in Themen und Teilnahmen aufzulösen. So habe ich für eine erste Kostprobe das Kapitel 'Unfähig zu einer Biographie' aufgeschlagen. Was Sie dort zu Beginn über Ihr Wirtschaften berichten, kam mir sehr vertraut vor, auch wenn ich mich, einer 'kinderreichen' Familie entstammend, mit einer Tochter aus der ersten von zwei Ehen begnügt habe....

 

ulp dankt LK für das Buch: ...mit großer Achtung vor der Großherzigkeit des Autors habe ich Ihr sehr schönes Buch Goethe in Afrika durchgelesen. Die akademische Institutionalisierung des Doppelblicks in der Literaturwissenschaft ist Ihnen mit der École de Hanovre bewundernswert gelungen. Wie so oft in der Wissenschaftsgeschichte belegen Sie, dass wichtiger als die trockenen Möglichkeiten methodischer Erweiterungen der Geist von Persönlichkeiten ist, sich eine Idee zum Lebensthema zu machen. Aus Ihren Texten habe ich viel gelernt, und ich danke Ihnen, dass Sie mich auf diese Weise an Ihrer Arbeit haben teilnehmen lassen. Gäbe es doch mehr Persönlichkeiten in den Kulturwissenschaften, die sich mit so viel Empathie in die Welt begeben! Was ist denn nach Ihrer Emeritierung eigentlich aus der Ècole geworden? Wer in Köln lebt, fährt ja sicher nicht ständig nach Hannover.....

 

 

 

LK über den Austausch von Büchern: ...Ja, ich bin mitten in Ihrem Buch. Und habe nach Ihrer überaus freundlichen Reaktion auf 'Goethe in Afrika' das Problem, dass ich die Lobeshymnen, die sich während der Lektüre bei mir ansammeln, nun nicht mehr loswerden kann, ohne in den Verdacht zu geraten, mich nur 'revanchieren' zu wollen. So will ich etwas Zeit und Abstand gewinnen, indem ich damit warte, bis ich zu Ende gelesen habe.

Aber hier schon mal eine Kostprobe, was ich meinerseits aus Ihrem Buch gelernt habe: Ihr Einstein-Essay hat mir zu der Frage verholfen, ob es sich bei dem von mir erfahrenen und  beschriebenen 'Doppeltblicken' um so etwas wie eine kulturtheoretische 'Relativitätstheorie' handele. "Wenn man Realität aus beiden Perspektiven anzuerkennen vermag, verändern sich die Einsichten in die Realität." (113)

 

 

LK: Wie es einem mit dem geht, was man zurück gelassen hat, hier die École des Hanovre:  ....Was die 'Ecole de Hanovre' betrifft, so ist es Gott sei Dank nicht 'meine' Schule gewesen. Sie besteht fort, weil sie in der Tat eine Schule der afrikanischen Germanistik war und ist. An der Universität Hannover sind die Spuren meiner Anwesenheit dagegen rasch und gründlich beseitigt worden. Vor allem bei den Schlachten um die Habilitationen wurde mir regelmäßig zu verstehen gegeben, man mache sich große Sorgen um das Renommee der Fakultät. Um meinem Treiben ein Ende zu setzen, wurden bei jedem Verfahren neue 'auswärtige Gutachter' aufgeboten, die sich dann aber immer wieder als Enttäuschung erwiesen. Einer der Kollegen am Institut, der sich 30 Jahre lang fast nur mit Brecht und Heiner Müller beschäftigt hat, hat mir kurz vor der Emeritierung freundlich ins Gesicht gesagt, es sei doch gut, dass jetzt 'etwas Neues' anfangen könne. Was genau damit gemeint war, wurde bei der Wiederbesetzung meines Lehrstuhls deutlich, als dadurch, wie explizit gesagt wurde, 'das Kernfach' wieder hergestellt wurde. Dafür werden an

germanistischen Instituten anderer Universitäten, z.B. hier in Köln, mit entsprechendem Einsatz von Mitteln große Anstrengungen unternommen, 'Kontakte' mit Kollegen und zu Departments in Afrika herzustellen, wobei man auch schon mal gern auf meine Erfahrungen und mein 'Netzwerk' zurückgreift. Meine anfängliche Bitterkeit über den 'Schlussstrich' in Hannover hat sich verflüchtigt, seitdem ich um die Stadt einen großen Bogen mache, und das tue ich seit fünf Jahren. Geblieben ist davon nur, dass man mir nicht erzählen kann, in unserm Land gehe es um Leistung und an seinen Universitäten um 'Exzellenz'.....

 

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