Kopftext
Erst im Austausch zwischen Menschen, die sich kennen und auf ein gemeinsames Thema beziehen, werden die Perspektiven deutlich, in denen Wahrnehmung und Wahrgenommenes zusammen fließen. Menschen hinter einer Aussage interessieren mich genauso wie die Aussagen selber. Ohne einem besonderen Maßstab zu beachten, stelle ich hier das eine oder andere Zeugnis dieser zwischenmenschlichen Kommunikation in meinen Blog.

 

 

(Selbst)plagiat - eine Korrespondenz

 

Die WAZ hatte das Trommelfeuer gegen Marc Jan Eumann eröffnet. Ihm wurde "Selbstplagiat" vorgeworfen, weil er in seiner Dissertation aus seiner Magisterarbeit zitiert habe, ohne solche Zitate kenntlich gemacht zu haben. Das mag man kritisieren, das passt aber in der Vorwurfshaltung nicht in die große Debatte, in der einigen Politikern bescheinigt wird, sie hätten ihren Doktortitel zu Unrecht erhalten. Ich war Gutachter der Dissertation von Eumann und bin sicher, richtig gegutachtet zu haben. Folglich habe ich mich in der Eumann-Sache laut geäußert (siehe unter News). Die FAZ hat die Geschichte aufgegriffen, zumal sie gegen Eumann Sturm läuft, weil ihr die geplante Medienstiftung NRW überhaupt nicht passt. Im Zuge der neuerlichen FAZ-Recherchen dokumentiere ich den Mail-Wechsel, den ich mit Dr. Burger, dem verantwortlichen FAZ-Redakteur, gehabt habe.

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WR_ Nur Theorie ist nichts, wenns drauf ankommt

Jörg Lawrenz hat meinen wissenschaftlichen Beitrag für das Journalistik Journal (siehe News März 2013) in einer Weise kommentiert, die ich nicht erwartzet hatte. Er hat vollständig Recht, weil die Frage nach dem "gesellschaftlichen Wesen" (Karl Marx), das Wissenschaft betreibt, von zu vielen Wissenschaftlern aus ihrem Kopf verdrängt worden ist. Vielleicht hat er mich bei einer derartigen Verdränigung nun auch ertappt. Tatsächlich war die "Empörung" für mich der Grund, dass ich den Artikel geschrieben hatte. Aber richtig ist: Das Wissen, das ich aus Empörung in einen laufenden Prozess einbringen kann, hat wenig Wert, wenn seine Potenziale für Haltung, Einfluss, Veränderung nicht untersucht werden. Sachlich hat Jörg Lawrenz mit manchen Behauptungen nicht Recht. Da wird der Dialog weiter führen. Er wird aber auch weiter führen, weil Jörg jung ist ud ich alt bin. Wir sind so gut befrreundet, dass wir da keinen Vdertrag schließen müssen. Sein Schreiben an mich stelle ich leicht gekürzt hier in den Blog:

 

Grade habe ich endlich Deinen dreiseitigen Artikel im Journalistik-Journal gelesen und es grummelt in mir. Mit Dir und Deiner wissenschaftlichen Vita kann und will ich mich nicht messen, und ganz sicher ist Dein Aufriss zur Debatte für eine Theorie-Entwicklung wichtig. Aber findest Du nicht eigentlich, dass es in erster Linie engagierter und wacher Zeitgenossen bedarf, die nicht erst auf einen legitimierten Marschbefehl warten? Ich finde leider, dass Du mit Deinem Artikel viel zu vielen Leuten eine feine Ausrede für ihre Untätigkeit verschaffst und mit Deiner Reputation anders auftreten darfst und solltest. War nicht mehr als die Kritik an den Medien-Studiengängen der Unis mit dem Hinweis auf Formatt drin?  Auch am Ende Deines Artikels gibst Du doch noch einmal den Hinweis, dass es um Eigenständigkeit publizistischer Einheiten geht. Wer will, kann auch jetzt schon erkennen und handeln und hat die nötigen Kategorien. Ich fürchte nur, viele Leute wollen nicht und dann nützt auch keine entwickelte Theorie, die dann auch noch mehrfach in Frage gestellt wird oder in ihrer Ausarbeitung nicht finanziert würde.

Wenn Ihr 1968 genauso bei der distanzierten Beobachtung stecken geblieben wärt, sähe unsere Gesellschaft heute anders aus. Hättet Ihr damals auch noch auf weitere Theoriebildungen warten sollen? Diskussionen allein haben 1968 nicht zur Wirkung verholfen! Auch Du bist damals praktisch tätig geworden und hast später in der Journalistik immer die Praxis befördert. Erfolgversprechende persönlich-fachliche Kompetenzen ohne gesellschaftliches Engagement finde ich allerdings erschreckend nahe am Cocooning-Effekt, und Wohlstand ohne berufsethische und gesellschaftliche Relevanz der Gebildeten finde ich zumindest höchst diskussionswürdig. 

Wo waren denn all die Kollegen und Kommilitonen zu Horst Pöttkers Verabschiedung und wo waren sie am Folgetag, als es um ihre Profession, ihre Arbeitsplätze und das am Studiengang in der Theorie so hoch gehaltene Gut der Meinungsfreiheit und -vielfalt ging? Wenn man denen allen noch ein paar Jahre Sonderforschungsbereiche finanzieren muss, damit sie sich für sich selbst und andere in Bewegung setzen, dann stimmt etwas nicht! Stimmen wir da überein? 

Vielleicht klingt das nach Schelte gegen unsere Kollegen, aber Demokratie muss bei Zeiten verteidigt werden und nicht nur reflexiv und in theoretischen Rückwärtsbetrachtungen der Nazi-Zeit am IfJ und in anderen Geschichtskursen sowie Dauermedienschleifen von Guido Knopp. Wenn die ganze Aufarbeitung wissenschaftlich und medial heute ohne persönliche Gefahren nicht wachere Persönlichkeiten, dann stellt sich ihre Wirksamkeit in Frage. Die „Richtigkeit“ von Theorien ersetzt nicht aktives Handeln, und daraus darf man unsere Generationen heute auch nicht entlassen. uns nachwachsenden Biografiegestückelten mit permanentem Berufsunsicherheitsgefühl.   Jeder muss in seiner Zeit handeln, und wir leben gemeinsam in der gleichen Zeit, heute, jetzt und hier. An dieser "Front" halte ich einen "Generationen-Vertrag" über einen Dialog hinaus und Reflexionen "zurück-nach vorn" für unabdingbar. Da seid Ihr mit uns dran, denn unsere Generation ist kleiner und Du kennst unsere Prägungen.

Wo blieben in Deinem Artikel der klare Aufschrei und die Aufforderung zum lauten "Empört Euch!"? Passt das heute nicht mehr zu Dir oder musst Du nach Jahren der Wissenschaft erst noch weitere Deiner Werte beerdigt sehen, um in einem Alter wie Stėphane Hessel nötige Weckrufe zu starten? Vielleicht passt das auch heute nicht mehr zu Dir, oder Du hältst es nur nicht für "effektiv", klar und direkt an Gewissen und die selbst gepredigten Tugenden zu appellieren? Ich habe da von Dir viel gelernt und mein früheres politisches Bild von Gesellschaft durch Dich und Deine Kollegen am IfJ deutlich weiterentwickelt. Du hast mich mit Deinen Kollegen in den Jahren des Studiums geduldig und hartnäckig herausgefordert. Darf ich das nun auch mal? Auf Deine Antwort bin ich sehr gespannt und auf die Fortführung unserer Dialoge sowieso.

 

Mein Buch aus persönlicher Nähe betrachtet

Mit Uta Quasthoff, Sprachwissenschaftlerin an der TU Dortmund, verbindet mich eine intensive und hervorragende Zusammenarbeit über lange Jahre im Dekanat. Gemeinsam haben wir in der Zeit der Umstellung der Universität auf den Globalhaushalt unseren einstigen Fachbereich „Deutsch, Englisch, Geschichte und Journalistik“ in eine lebendige Fakultät „Kulturwissenschaften“ umgebaut. Das ging nicht ohne Schrammen und harte Auseinandersetzungen, aber mit und vor allem überzeugendem Einsatz von uns beiden, die wir vollständig an einem Strang zogen. Wir waren ein selten gutes Dekanatsteam. Aus dieser Zusammenarbeit wurde eine stabile Freundschaft. Wir treffen uns nicht oft, dann aber voller Herzlichkeit und voller Ideen. Sie ist eine große Wissenschaftlerin und eine fantastische Frau, die inzwischen ebenso wie ich emeritiert ist.

Uta hat mein Busch gelesen und mir dazu geschrieben:

 

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