Kopftext
Erst im Austausch zwischen Menschen, die sich kennen und auf ein gemeinsames Thema beziehen, werden die Perspektiven deutlich, in denen Wahrnehmung und Wahrgenommenes zusammen fließen. Menschen hinter einer Aussage interessieren mich genauso wie die Aussagen selber. Ohne einem besonderen Maßstab zu beachten, stelle ich hier das eine oder andere Zeugnis dieser zwischenmenschlichen Kommunikation in meinen Blog.

 

 

Heike Kotilge, eine geniale Freundin in einer Top-Position:

Ich hatte an Heike Kotilge eine Mail geschickt, in der ich ihr herzlich zu ihrer Höherstufung als Senior-Referentin gratuliert hatte. Was für nette Karrieren und Titel dieses Land doch allerorten bereit hält! Hier ihre Antwort:

Welch Gnade lasset Ihr mir zukommen? Gegen Eure Titel kann ich nicht anstinken. Professor des Bundeskanzleramts, Doktor der Psychovoltaik, Abgeordneter der libidinösen Gerechtigkeit. Nein, da ist eine kleine Seniorenreferentin eher lächerlich.

Nichts ist so stetig wie die Veränderung. Veränderungsmanagement. Wir Deutschen sagen auch gerne Change Management. That will be my Hauptjob in the kommenden Monaten. Ich verändere (haha, Schenkelklopfer) 360 Leute. Sie werden an meinen Lippen hängen (muss doch weh tun) und die Botschaft hören: Verändert euch gefälligst. Und zwar sofort. Warum? Weil ich das so will und Punkt. Meinst Du - so wie ich - dass es funktionieren wird? Eventuell muss die Großreferentin über ein alternatives Konzept nachdenken. Mist. Nachdenken ist nicht so meine Stärke, ich bin blond.

"Frau Kotilge, waren sie je in einer Uni?" "Ja. ich war mal in Dortmund auf der Uni - großer Trödel - da musste ich aufs Klo..."

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Tauben

Gestern stand ich in Ralfs Büro (unserem Raucherbüro) am Fenster. Ich rauchte genussvoll eine Zigarette, ganz in Gedanken versunken. Wir hatten gerade Leiterkreis und ich hatte mir einen Notizblock mitgenommen, um ein paar Gedanken, die noch ganz frisch waren, aufzuschreiben. Neue, gute Ideen.

Plötzlich wurde meine Aufmerksamkeit auf etwas gelenkt, was mir nicht gleich klar wurde. Es gibt eine Metallverbindung von meinem Bürohaus zum nächsten Gebäude, dessen Sinn mir bis heute nicht klar ist. Es sieht aus wie ein U-Träger, dessen Mitte vertieft ist, so dass sich Regenwasser sammelt. Häufig sind dort Tauben, um das Regenwasser zu trinken. Meistens denke ich mir: ach ihr hässlichen Ratten der Luft, überflüssig wie ein Kropf. Aber ab und zu habe ich sie auch beobachtet, wie sie - den Schnabel auf und zu machend - ihre Wassertröpfchen schlürfen - und dann doch gedacht: wow, ihr habts drauf. Ihr seht sogar grazil beim Saufen aus.

So waren dort also wieder zwei Tauben. Ratten. Eine hässlicher, grauer, als die Andere. Rumhüpfend, saufend, kackend. Grad wollte ich mich wieder meinem Notizbuch widmen, als ich sah, dass sich der Täuberich seltsam benahm. Er plusterte sich auf, als hätte er ganz tief Luft geholt und als würde er sie nie wieder rauslassen wollen. Das war der Moment, wo ich mit ihm in den Dialog ging. Mensch Kerle, sagte ich, atme aus, Du erstickst sonst. (Nicht, dass mir das etwas ausgemacht hätte, haha...) Ok, er hob sein Bein, zeigte mir die Stinkekralle: fick Dich selbst. *Schluck* Naja, dachte ich, sollte mich vielleicht doch besser raushalten. Natürlich setzte er noch einen drauf. Aufgeplustert wie er war, drehte er sich jetzt im Kreis wie ein Derwish. Ach, schlimmer als ein Derwish. So schlimm, dass ich dachte: ok Kumpel, jetzt erwischt es Dich gleich, fällst zu Boden, tot.

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